Wer den Schuss immer noch nicht gehört hat, muss entweder taub oder ein Optimist sein. Mit dem Beginn der offenen kriegerischen Auseinandersetzung Russlands mit der Ukraine und dem daraus folgenden, immer weiter ausgedehnten Sanktionsregimes von Seiten der „westlichen“ Demokratien, hat sich eine Situation entwickelt, welche die Energiesicherheit Westeuropas im allgemeinen und Deutschlands im Besonderen massiv gefährdet. Mit einem Nachlauf von fast einem halben Jahr beginnen das auch einige Politiker zu erkennen, dass sich hier ein riesiges Problem auftut, welches sich aus der Verkennung der Tatsache, dass Russland der mit Abstand wichtigste Lieferant von primären Energieträgern wie Gas, Erdöl und Steinkohle für Westeuropa ist, entwickelt hat. Diese Problemlage mischt sich mit der verkorksten deutschen Energiewende und trägt die permanente Gefahr eines energetischen Notstands insbesondere während der kalten Jahreszeit in sich. Denn eine „Energiewende“, die sich primär auf den Strommarkt konzentriert und die mehrheitlich auf volatile Energiequellen setzt, benötigt zwangsläufig ein Backup aus geeigneten Speichern (die es in den notwendigen Größenordnungen nicht gibt) und von schnell steuerbaren Kraftwerken, welche in der Lage sind, die volatilen Energieerzeugungskapazitäten dem aktuellen Verbrauch nachzuführen. Und dafür kommen nur Gaskraftwerke infrage. Und Gas kann ganz schnell knapp werden, wenn Russland als Lieferant ausfällt. Bereits ohne auf die dramatischen fiskalischen Wirkungen einzugehen, die durch eine Verknappung dieses notwendigen Primärenergieträgers einhergeht, würden sich bereits aus der Mangellage allein katastrophale Wirkungen für den Wirtschaftsstandort Deutschland ergeben, die sich weder politisch noch ökonomisch vernünftig handeln lassen. Die „Politik“ beginnt bereits hektisch – und wie immer, unüberlegt – zu handeln, in dem sie alle zuvor gestreuten Narrative wie die „Gefahr des Klimawandels“ vergisst und nach Auswegen zu suchen beginnt, um eine sich ankündigende Katastrophe zu verhindern. Und die denkbaren Katastrophenszenarien sind vielfältig, sollte man erst einmal in eine Energiemangellage hinein rutschen. Viele Industriezweige sind von einer kontinuierlichen Gasversorgung abhängig. Man denke hier nur an die Glas- und Stahlproduktion, an die chemische Industrie und die Lebensmittelindustrie. Von den knapp 1000 TWh Energieäquivalent von Erdgas, die 2021 in Deutschland verbraucht wurden, entfielen etwa 37 Prozent auf die Industrie und etwa 31 Prozent auf Haushalte (primär zu Heizzwecken). Der Rest wurde im Wesentlichen zur Elektroenergiegewinnung in erzeugerarmen Zeiten, also dann, wenn die „Erneuerbaren“ nicht genügend liefern können, für Gaskraftwerke benötigt. Sollten diese einmal wegen Brennstoffmangel ausfallen, dann steigt trotz europäischem Verbundnetz die Gefahr für ein Szenario, von dem dieser Ratgeber im Wesentlichen handelt und das niemals eintreten darf – nämlich ein länderübergreifender Totalausfall der Stromversorgung, „Blackout“ genannt. Es stellt die schlimmste Bedrohung unserer Gesellschaft gleich nach einem massiven Kriegsfall dar. Die Folgen wären unvorstellbar, denn das Funktionieren eines modernen Industriestaates hängt entscheidend von der permanenten Verfügbarkeit insbesondere elektrischer Energie ab. Und diese wird aufgrund eines primär aus ideologischen Gründen forcierten Umbaus hin zu volatilen „erneuerbaren“ Energien unter Abbau herkömmlicher Erzeugungskapazitäten immer mehr gefährdet.
Ganz unabhängig von den Ereignissen in der Ukraine sind bereits Beispiele für solche „Gefährdungen“ an einigen Orten der Erde deutlich zu erkennen. Man denke nur an Kalifornien oder Australien, wo sich der massive Ausbau von Wind- und Solarkraft in einem zeitweise immer instabiler werdenden Stromnetz widerspiegelt. Und auch in Europa nimmt die Blackout-Gefahr von Jahr zu Jahr zu, je mehr grundlastfähige konventionelle Kraftwerkskapazitäten abgebaut und volatile „erneuerbare“ Energien ohne die eigentlich dazu notwendige Speichertechnik zugebaut werden. In der „Sicherheitspolitischen Jahresvorschau“ über die aktuelle Gefahrenlage in Österreich 2020 heißt es z.B. lapidar:
"Das größte Risiko für eine nächste Systemkrise in Österreich birgt ein flächendeckender Strom-, Infrastruktur- und Versorgungsausfall (Blackout), mit dessen Eintritt binnen der nächsten fünf Jahre zu rechnen ist."
Und zu dieser Zeit war an ein „Mangel“ an Erdgas, Erdöl oder Steinkohle überhaupt noch nicht zu denken. Das eigentlich Bemerkenswerte ist aber, dass das Österreichische Bundesheer, dem eine besondere Bedeutung bei einer Krisenbewältigung zugestanden wird, selbst aktiv wurde und zusammen mit zivilen Einrichtungen im Herbst des Jahres 2021 mit einer massiven Kampagne begonnen hat, die Bevölkerung über die gravierenden Folgen eines länger andauernden Stromausfalls aufzuklären. Gleichzeitig führt sie schrittweise und in Abstimmung mit den zivilen Einrichtungen der Katastrophenvorsorge eine umfangreiche technische und organisatorische Umstrukturierung durch mit dem Ziel, bei einem Blackout weitgehend autark handeln zu können.
In Deutschland wird das Problem dagegen von der Politik heruntergespielt in dem z. B. von der Bundesnetzagentur in ihrem jährlichen Statement die besondere Versorgungssicherheit Deutschlands anhand von dessen SAIDI-Wert (System Average Interruption Duration Index, d. h. die durchschnittliche jährliche Unterbrechungsdauer der Stromversorgung pro Endverbraucher) hervorgehoben wird, die 2020 10,73 Minuten betrug:
„Die Zuverlässigkeit der Stromversorgung in Deutschland war im Jahr 2020 erneut sehr gut. Die bisher niedrigste Ausfallzeit des Jahres 2019 konnte im Jahr 2020 erneut unterboten werden“, sagt Jochen Homann, Präsident der Bundesnetzagentur. „Die Energiewende und der steigende Anteil dezentraler Erzeugungsleistung haben weiterhin keine negativen Auswirkungen auf die Versorgungsqualität.“
Das ist zwar richtig. Aber dieser Kennwert sagt nichts über die Wahrscheinlichkeit von kritischen Zuständen in einem Verteilungsnetzwerk, welches über das allbekannte Rheinische Grundgesetz „Et hätt noch immer joot jejange“ hinausgeht, aus. Allein die beiden in der Presse mehr oder weniger thematisierten Störfälle im europäischen Verbundnetz des Jahres 2021 sprechen eine andere Sprache. Vielmehr werden – siehe oben – unsere Nachbarländer langsam nervös, bei einem durch Deutschlands „Energiewende“ getriggerten Störfall mit in den Abgrund gerissen zu werden, und das trotz der wirtschaftlich rosigen Aussichten, die der Stromexport zu selbst diktierten Preisen in den nächsten Jahren und Jahrzehnten verspricht.
Und wenn man sich noch vorstellt, dass eine instabile Stromversorgung noch mit einer Gasmangellage im Winter, wo riesige Gasmengen zur Gebäudeheizung benötigt werden, zusammenfällt, dann sind alle Kriterien für eine sich anbahnende Katastrophe gegeben. Denn bei Gasrationierung werden viele Bürger auf Stromheizungen ausweichen, die in der Summe schnell zu Versorgungsengpässen im Netz führen können und damit, im Extremfall, zu einem überregionalen Totalzusammenbruch der Energieversorgung.
Die Schizophrenie deutscher „grüner“ Energiepolitik zeigt sich am deutlichsten am konsequent durchgezogenen Atomausstieg, der – bei Lichte betrachtet – der grünen Politik der CO2 -Vermeidung diametral entgegensteht. Nicht ohne Grund haben sich im Oktober 2021 15 Minister aus zehn EU-Staaten in einem offenen Brief an die EU-Kommission gewandt mit der Forderung, dass die Kernenergie Aufnahme in die Taxonomie-Verordnung der EU findet und als „grüne“, kohlenstoffarme Energiequelle, die es auszubauen gilt, anzuerkennen ist. Ungefähr zur gleichen Zeit haben sich eine Anzahl unabhängiger Wissenschaftler aus aller Welt an die Bundesregierung gewandt, den endgültigen Atomausstieg zu vertagen, zwar weniger aus Gründen der Versorgungssicherheit als aus klimapolitischen Gründen:
„Sie könnten Ihr Klimaziel für 2030 noch erreichen. Sie könnten immer noch einen Kurswechsel vornehmen und Ihre Prioritäten so ändern, dass der Kohleausstieg vor dem Atomausstieg erfolgt. Alles, was es dazu benötigt, ist eine Klima-Notstandsverordnung mit Änderung des Atomgesetzes, welche die 2010 vereinbarten Laufzeitverlängerungen für die Kraftwerke auf 2030 bis 2036 wieder in Kraft setzt.
Sind Ihre Politiker mutig genug, diese konkrete Änderung, die sich eindeutig positiv auf die Emissionen auswirken würde, in Ihrem Namen zu einem kritischen Zeitpunkt in der Klimakrise umzusetzen? Diese Notfallmaßnahme – eine einfache Verschiebung des Atomausstiegs – würde zu Recht den Respekt der jungen Generation und der kommenden Generationen verdienen.“
(Welt, 13.10.2021)
Da dieser Aufruf aber auch der Versorgungssicherheit zugutekommt, ist er auf jeden Fall unterstützungswert. Es wird nur nichts nutzen, denn, wie ein bekannter deutscher Politiker auf eine entsprechende Frage zum „Atomausstieg“ geantwortet hat, „Der Drops ist gelutscht“.
Mittlerweile wird von der EU – trotz Widerstände aus dem grün-sozialistischen Lagern – Kernkraft und die Verbrennung von Gas formal als „grün“ angesehen. In der Taxonomie-Richtlinie der EU gelten sie unter gewissen „Voraussetzungen“ als „klimafreundlich“. Die zuständige EU-Kommissarin Mairead McGuinness äußerte gegenüber der Presse, der Rechtstext der Kommission sei "vielleicht nicht perfekt", er biete aber "eine echte Lösung" für das Ziel der EU, bis zum Jahr 2050 klimaneutral zu werden (was immer das heißen mag).
Was bedeutet das nun für einen ganz gewöhnlichen Bürger? Ganz unabhängig von der monetären Seite, die an sich schon eine Katastrophe ist (Stichwort Energiepreise im internationalen Vergleich; massive Erhöhung der Heizkosten im Winter, für alle, die gezwungen sind, mit Gas oder Strom zu heizen), erhöht sich die Gefahr eines Blackout mehr und mehr, je weniger dem entgegengesteuert wird. Im günstigsten Fall (und damit erst einmal weniger katastrophal) wird es zu einer Strommangelwirtschaft kommen, welche die deutsche Industrielandschaft maßgeblich ausdünnen wird. Die ersten Anzeichen dafür sind schon ganz konkret zu beobachten und lassen sich der Tagespresse entnehmen. Wenn aber das Stromnetz doch einmal überregional zusammenbrechen sollte, was Gott verhindern möge, dann ist in letzter Konsequenz jeder Bürger sich selbst der Nächste. Dann haben nur diejenigen eine Chance mit ihren Familien einigermaßen glimpflich die kritische Zeit zu überstehen, die entsprechend vorgesorgt haben. Und dazu soll dieser Ratgeber etwas Hintergrundwissen und Anleitung geben.
Auf die „Politik“ sollte man sich dabei eher nicht verlassen.
Inhaltsverzeichnis
Kein Gas – Strom- und Wärmeversorgung gefährdet
Folgen eines Gasembargos für Deutschland
Gaskraftwerke und Energiewende
Blackout – Energiewende extrem
Hacker-Szenario für einen Blackout
Kollaps des Stromnetzes aufgrund eines Sonnensturms
Ausfall des Netzes aufgrund von dessen Komplexität
Blackout aufgrund einer nicht beherrschbaren Dunkelflaute – Wetterlage
Blackout aufgrund eines plötzlichen Wetterumschwungs
Blackout aufgrund kriegerischer Auseinandersetzungen
Wiederaufbau eines funktionsfähigen Netzes nach einem überregionalen Blackout
Die drei Phasen eines Blackouts
Phase 1 – Stunden bis Tage
Phase 2 – Tage bis Wochen
Phase 3 – Wochen bis Jahre
Konsequenzen eines überregionalen länger andauernden Netzausfalls
Lebensmittelversorgung
Trinkwasserversorgung
Wärmeversorgung der Haushalte
Individuelle medizinische Notversorgung
Mobilitätseinschränkungen
Kommunikation
Sicherheitslage
Behörden
Probleme im Bereich der Landwirtschaft
Auswirkungen auf die Industrie
Auswirkungen auf das individuelle Leben und auf die Familie
Unterschätzte Nachwirkungen
Zusammenfassung
Allgemeines zum Thema „Krise“ und „Krisenvorsorge“
Was tun, wenn der Strom ausfällt
Der Notfallplan
Vorbereitung auf einen länger andauernden Stromausfall
Essen und Trinken bevorraten
Hausapotheke einrichten
Hygiene
Zubereitung von Lebensmitteln
Wärmeversorgung
Kommunikation
Notstromversorgung
Notfallrucksack
Richtiges und überlegtes Verhalten bei einem Blackout
Staatlich organisierte Hilfe
Fazit
Anhang
Checkliste „Erste Hilfe und Medikamente“
Checkliste „Wasser und Lebensmittel“
Checkliste „Lebensmittel und Hygienebedarf“
Checkliste „Wärmeversorgung“
Checkliste „Dies und das“
Checkliste „Kommunikation“
Checkliste „Notstromversorgung“
Checkliste „Allgemeine organisatorische Fragen“
Checkliste „Strom wieder da“
Webseiten zum Thema
Zieht euch warm an, denn die Kälte greift den Darm an
Textpersiflage aus dem „Lied der Wolgaschlepper“
Kein Gas – Strom- und Wärmeversorgung gefährdet
Mit dem Ukraine-Krieg geriet auf einmal eine Primärenergiequelle ins Fadenkreuz der Politiker, von der zu einem nicht unerheblichen Anteil der Wohlstand und das Funktionieren der Wirtschaft in Deutschland abhängt – Erdgas. Durch langfristige Verträge und leistungsfähige Pipelines, die direkt mit den Gasfördergebieten in Sibirien verbunden sind, bezieht (oder bezog) Deutschland Gas aus Russland zu außergewöhnlichen Konditionen. Mit diesem billigen Gas als Energiequellen ließen sich komplexe und auf dem Weltmarkt nachgefragte Produkte herstellen und teuer verkaufen. Und für Russland stellte der Gasexport in die EU (gilt natürlich auch für Erdöl) eine permanente und gut planbare Einkommensquelle dar. Diese nahezu perfekte win - win – Situation zeigte erste Risse, als Russland in einem völkerrechtlich umstrittenen Akt die Krim übernahm und dem Westen nichts Besseres einfiel, als Russland zu sanktionieren. Rohstoffe als wichtigste Exportgüter schienen hier besonders effektiv zu sein, da deren Verkauf einen Großteil der staatlichen Einnahmen Russlands ausmacht. Dazu kamen später noch die Ambitionen der US-Amerikaner, neue Absatzmärkte für ihr billiges Fracking-Gas in Europa zu akquirieren – und da ist natürlich ein billiger Konkurrent eher kontraproduktiv. Und so wurde „Russengas“ zum Politikum und die Abhängigkeiten der europäischen Volkswirtschaften davon zu einer realen Gefahr, …
This is the end, beautiful friend
This is the end, my only friend, the end
The Doors
Fazit
Unter dem mittlerweile religiöse Züge annehmenden „Klimaschutz“ möchte die Politik alles irgendwie auf „erneuerbare“ Energien umstellen in der stillschweigenden Hoffnung, dass die Naturgesetze und die Ingenieure das schon irgendwie zulassen bzw. hinbekommen. Was dabei wirtschaftlich und auch unter ökologischen Gesichtspunkten fragwürdig ist, wird über von den Stromkunden zwangssubventionierten und deshalb von den Energiekonzernen mitgetragenen „Lösungen“ in Form von Windparks, Solarenergieanlagen und Biogasanlagen zwangsrealisiert, obwohl sich ab einem bestimmten Anteil gerade die volatilen Energiequellen sich nur noch unter einem großen Aufwand in die über Jahrzehnte gewachsenen Strukturen der Energiewirtschaft einpassen lassen. Während vor zwanzig Jahren das Versorgungsnetz noch robust und selbstregulierend war, gehören heute künstliche Eingriffe in Form von Redispatch-Maßnahmen, die außerdem nur noch computergestützt überhaupt beherrschbar bleiben, zum täglichen Brot der Netzbetreiber. Das garantiert zwar immer noch eine im Vergleich zu vielen Entwicklungsländern hohe (in Deutschland sogar sehr hohe) Sicherheit und Verfügbarkeit der elektrischen Energieversorgung, aber zum Preis eines immer komplexer werdenden Gesamtsystems. Und jeder Risikoforscher weiß, dass ein komplexes System sich mehr zu einem unvorhergesehenen Verhalten neigt bzw. angreifbar wird (Cyberattacken), als ein einfaches und damit überschaubares.
Lokale Ereignisse wie der „Köpenicker Stromausfall“ von Ende Februar 2019 oder der von Dresden 2021 konnten leider ihre heilsame Wirkung nur lokal entfalten, denn es kann und will sich offensichtlich niemand vorstellen, dass das selbstverständliche Gut „Elektrischer Strom“ einmal plötzlich versiegen könnte (es sei denn, dass man als vom Schicksal gebeutelter von seinen Stadtwerken den Strom abgeklemmt bekommt, wie es mittlerweile im reichen Deutschland allein im Jahre 2020 über 230.000 privaten Haushalten wiederfahren ist). Die Unbekümmertheit, mit der die allermeisten Bürger und Politiker von einer für alle Zeiten ununterbrochen verfügbaren Stromquelle (landläufig „Steckdose“ genannt) ausgehen, erinnert besonders krass an die sogenannte „Truthahn-Illusion“:
„Bis zu seiner Schlachtung wird der Truthahn jeden Tag gefüttert und umsorgt. Nun ist ausgerechnet am Abend vor seinem Tod die Wahrscheinlichkeit, dass er am nächsten Tag auch wieder gefüttert und umsorgt wird, aus der Sicht des Truthahns am größten. Denn mit jeder Fütterung stieg seine Gewissheit bzw. sein Vertrauen darauf, dass ihm nichts passiert. Und trotzdem kommt am Tag vor Thanksgiving der Mann, der ihn so lange umsorgt hat, nicht mit dem Futter, sondern mit dem Messer.“
Der Fehler ist hier, dass man einen Trend (es passiert nichts) in alle Zukunft extrapoliert, obwohl es zu jedem Zeitpunkt zu einem Trendbruch (es passiert doch etwas) kommen kann. Das Ziel dieses kleinen Ratgebers war es, Sie für solch einen Trendbruch zu sensibilisieren, der in dem hier behandelten Fall – wie beim Truthahn – zu einer existentiellen Katastrophe führen kann, wenn man nicht adäquat darauf vorbereitet ist.
Ob Sie sich auf solch ein vermeintlich unwahrscheinliches Ereignis wie einen Blackout vorbereiten oder nicht, bleibt natürlich Ihnen überlassen. Trotzdem sollten Sie als meine Empfehlung die in diesem Buch bereits einmal zitierte „Konklusion“ des „Büros für Technikfolgenabschätzung beim Deutschen Bundestag“ zumindest zur Kenntnis nehmen und – natürlich besser noch – darauf Ihr Handeln ausrichten. Ein Blackout ist keine Spaßveranstaltung:
(TAB) Wie die zuvor dargestellten Ergebnisse haben auch die weiteren Folgenanalysen des TAB gezeigt, dass bereits nach wenigen Tagen im betroffenen Gebiet die flächendeckende und bedarfsgerechte Versorgung der Bevölkerung mit (lebens)notwendigen Gütern und Dienstleistungen nicht mehr sicherzustellen ist. Die öffentliche Sicherheit ist gefährdet, der grundgesetzlich verankerten Schutzpflicht für Leib und Leben seiner Bürger kann der Staat nicht mehr gerecht werden. Die Wahrscheinlichkeit eines langandauernden und das Gebiet mehrerer Bundesländer betreffenden Stromausfalls mag gering sein. Träte dieser Fall aber ein, wären die dadurch ausgelösten Folgen selbst durch eine Mobilisierung aller internen und externen Kräfte und Ressourcen nicht »beherrschbar«, allenfalls zu mildern.